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DER GOLDENE DRACHE
Roland Schimmelpfennig
Was hat mein Leben mit dem jungen Chinesen, der mir im Schnellrestaurant gegenüber die Thai-Suppe serviert, zu tun? Hängen unsere Schicksale zusammen und wenn ja, dann wie? Sind wir in der Lage, die Zufälle, vielleicht auch Zusammenhänge und Abhängigkeiten, die unsere Lebenspläne so schmerzhaft angreifbar machen und spielend Kontinente überschreiten, als Möglichkeiten zu verstehen?
Wie zum Beispiel würden Sie sich verhalten, wenn Sie einen schwer kariösen Zahn eines Menschen in ihrer Suppe finden?
Ein Thai-China-Vietnam-Schnellrestaurant mit dem Namen „Der goldene Drache”, irgendwo in Europa. Fünf Asiaten arbeiten in der engen Küche, einer von ihnen ist ein junger Chinese, gepeinigt von Zahnschmerzen. Eine Aufenthaltsgenehmigung hat er nicht. Auf dem Balkon über dem Restaurant steht ein alter Mann mit einem großen Wunsch, den ihm niemand erfüllen kann, auch seine Enkelin nicht. In der Nähe tut eine Grille alles für eine Ameise, um nicht zu verhungern oder zu erfrieren, obwohl der Winter längst vorbei ist. Dem jungen Liebespaar in der Dachwohnung des Hauses passiert etwas, das auf keinen Fall passieren sollte. Eine Etage tiefer verlässt eine Frau, die ihren Mann nie verlassen wollte, ihren Mann. Der benachbarte Lebensmittelhändler entdeckt ein ungeahnt lukratives Nebengeschäft. Eine Stewardess stößt in ihrer Thai-Suppe auf etwas, was da nicht hinein gehört, und der Junge aus China findet auf einem anderen Weg in seine Heimat zurück, als er sich gewünscht hat.
Roland Schimmelpfennig, der zurzeit meistgespielte Gegenwartsdramatiker Deutschlands, dessen Stücke in über 40 Ländern aufgeführt werden, war zuletzt am Schauspielhaus Zürich und am Deutschen Theater Berlin als Regisseur tätig. Seine Stücke zeichnen sich oftmals durch eine überraschende Schnitttechnik und einen lakonischen, liebevollen Blick auf die Menschen aus. Mit poetischer Leichtigkeit stellt er anhand innovativer Erzählformen unsere Begriffe von Zeit, Raum, Geschlecht und Herkunft in Frage. In seinen Dramen blitzt Phantastisches, Grauenhaftes und Weltbewegendes mitten im Alltäglichen auf. Roland Schimmelpfennig formuliert nicht aus, er lässt seinen Figuren und Geschichten ihr Geheimnis, er verführt den Zuschauer nicht zur Identifikation, sondern zur Wahrnehmung.
Ausgezeichnet mit dem Nestroy 2010:
Johann Adam Oest als Bester Nebendarsteller
Eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2010.
Roland Schimmelpfennig wurde für das Stück ”Der goldene Drache” mit dem Mülheimer Dramatikerpreise ausgezeichnet.
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