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DIE LIEBE ZUM NOCHNIEDAGEWESENEN
23.06.2012 : 20:00 : Akademietheater Wien

‹Die Liebe zum Nochniedagewesenen›
René Pollesch

Liebling, dieses Wort von der Tragödie, das behauptet doch die ganze Zeit, dass es so etwas wie eine Gemeinschaft gäbe. Dass wir uns auf die großen Tragödien der Menschheit einigen könnten. Aber nein, das was hier vor dir steht ist die Tragödie. Und einigen müsste man sich darauf, dass es den Dialog nicht gibt.

„Wenn ich von deiner und meiner Liebe rede, statt von d e r Liebe, dann hört man eine individuelle Liebe, eine unter vielen und eben nicht die Liebe schlechthin. Und weißt du, Hattie, das ist das Problem gerade. Die Verwechslung nicht nur von Krise und Katastrophe. Und ich denke, diese einfache Sache der Liebe trifft das ganz gut. Deine Liebe ist keine unter vielen, sondern die Liebe schlechthin, deshalb wird von deiner Liebe geredet, und nicht von d e r Liebe. Es geht um eine Liebe schlechthin, und nicht um das Wesen der Liebe, das sich exemplarisch an dir ereignet. Nein, das Wesen der Liebe ist nie beispielhaft. Dass das singuläre unerreicht beispielhaft wäre, diese Funktion gibt es nicht in dieser Gemeinschaft hier, zwischen uns hier und auch zwischen Django und mir nicht.”

René Pollesch und seine Schauspieler erforschen das Paradox unserer pluralistischen Gesellschaft, in der jeder seine Meinung hat, sie aber offensichtlich frei von Wirkung bleibt. Wie kann der Mensch eigentlich singulär vorkommen? In diesem Zusammenhang stellen sie die Frage nach einer gemeinschaftsstiftenden Funktion der Tragödie.
Für das Burgtheater inszenierte René Pollesch „Hallo Hotel ...!“, „Häuser gegen Etuis“, „Das purpurne Muttermal“ (ausgezeichnet mit dem Nestroy 2007 als „Bestes Stück“), „Fantasma“ und zuletzt „Peking Opel“.

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