 
|
 |
Top Dogs
Urs Widmer
Das Thema Arbeitslosigkeit wird hier einmal nicht aus der Sicht der so genannten Underdogs am „unteren Ende“ der Gesellschaft erzählt, sondern der Top-Dogs, Mitgliedern der Management-Ebenen. Sie sitzen an den Schalthebeln der Macht und entlassen tausende von Mitarbeitern, aber sie sind nicht mächtig genug, um ihre eigene Wegrationalisierung verhindern zu können. Die Entlassungswelle erreicht auch die “Macher”.
Zentraler Handlungsort ist ein Outplacement-Center, in dem entlassenen Managern geholfen wird, ihr Leben in den Griff zu bekommen und einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Die Betroffenen leiden unter dem Schock der Entlassung und der Entfremdung von einem „normalen“ Leben. Sie sind so sehr in ihrem Bestreben nach Einfluss, Ansehen und Geld gefangen, dass sie unfähig geworden sind, Werte wie Familienglück und Liebe zu empfinden. Voller sarkastischem Humor wird die Brisanz einer global bedingten strukturellen Arbeitslosigkeit beleuchtet, die vor den Türen der Führungsebene nicht halt macht. Mit Beklommenheit stellt sich die Frage, wie weit man bereit ist, für das eigene berufliche Überleben zu gehen. Gefangen in dem System schafft es keiner der Manager, in ein „normales“ Leben zurückzufinden, stattdessen lassen sie sich auf bizarre Spiele ein, deren Sinn fragwürdig erscheint. Unter Anleitung der resoluten Seminarleiterin wird in Rollenspielen Selbsterfahrung geübt. In vertauschten Rollen geht es schrittweise bis zur völligen Entblößung.
Die 1997 veröffentlichte bissige Sozialsatire von Urs Widmer wurde mehrfach ausgezeichnet. Es entstand im Auftrag des Theaters am Neumarkt Zürich und basiert auf Recherchen in Outplacement-Firmen und Gesprächen mit Beratern und entlassenen Top-Managern, deren Erfahrungen sich in dem Text widerspiegeln.
Dates:
|  |