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JELISAWETA BÄM
18.03.2027 | 19:30 | Volkstheater Wien
„Mich interessiert nur Quatsch“, notiert Daniil Charms 1937 in sein Tagebuch. „Nur das, was keinerlei praktischen Sinn hat. Nur das Leben in seiner absurden Erscheinungsform.“ Zu diesem Zeitpunkt steht der Schriftsteller am Abgrund: mittellos, isoliert, wenige Jahre vor Verhaftung und Hungertod in stalinistischer Haft. Diese Zeilen sind nicht nur die Poetik seines tatsächlich grotesken Werks, sondern auch vergeblicher Rettungsversuch eines Künstlers in totalitären Zeiten: Keine Sorge, das hier ist doch nur Quatsch.
Zehn Jahre zuvor schrieb Charms sein einziges abendfüllendes Theaterstück „Jelisaweta Bam“ – es mauserte sich trotz jahrzehntelangen Aufführungsverbots zum Pionier des Absurden Theaters: Zwei Polizisten klingeln an der Tür, um die junge Jelisaweta ohne Begründung festzunehmen. Doch kaum hat die kafkaeske Situation Gestalt angenommen, zerfällt sie wieder. Stattdessen folgen neunzehn auf Knopfdruck wechselnde Genres: Melodram und Slapstick, Albtraum und Märchen, Sprachzertrümmerung und philosophische Farce.
Der im Unfug aufblitzende Horror taucht auch im Rest seines größtenteils fragmentarischen Werks auf. Da fallen Arme und Beine von Körpern, Menschen werden von Männern in Ledermänteln abgeholt, Ärzte ermorden Patient:innen, Tote stehen plötzlich wieder in der Küche. Charms’ Figuren stolpern und zerbröseln in den Ritzen einer Wirklichkeit, die längst ohne sie auszukommen scheint. Durch das Prisma seines Nonsens erscheint die Brutalität der Welt berückend klar.
Claudia Bauer kehrt ans Volkstheater zurück und widmet sich erneut genresprengend und hochpräzise einem großen Sprach- und Lebenskünstler der Literaturgeschichte. In JELISAWETA BÄM bringt sie jene Wirklichkeit auf die Bühne, die wir irrtümlicherweise immer noch „Quatsch“ nennen.
program
JELISAWETA BÄM
Ein realistisches Melodram nach Daniil Charms
Place
The Volkstheater in Vienna (roughly translated as "People's Theatre") was founded in 1889 by request of the citizens of Vienna, amongst them the dramatist Ludwig Anzengruber and the furniture manufacturer Thonet, in order to offer a popular counter weight to the Hofburgtheater. It was erected according to designs by Ferdinand Fellner and Hermann Helmer, who attempted to reconcile their plans with historicism. It is located in Neubau, the seventh district of Vienna.
The founders of this stage had a theatrical stage in mind, in order to expose wider circles of the population of Vienna to classical and modern literature whilst staging these next to more traditional plays. The theatre follows this tradition even today. New productions of the classics are always in the pipeline along with regular reinterpretations of works by Ferdinand Raimund and Johann Nestroy and many new plays and reruns. Special attention is given to Austrian playwrights of old and new.
In 2005 Michael Schottenberg became art director of the Volkstheater.
In 2005 the Volkstheater started an alternative theater stage called "Volkstheater Hundsturm" in Margareten, the fifth district of Vienna. It is a place for experimental theater.
Dates March 2027
Vienna, Volkstheater Wien Further events at this venue
Address: Neustiftgasse 1
1070 Vienna
Austria
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